Achim Barsch
Die nicht immer lineare Entwicklung vom Schüler zum Kollegen
Abschnitt 4

   
             
 
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Ein planmäßiger Ausbau der ELW, wie er von SJS vielleicht im Zuge des Wechsels von Bielefeld nach Siegen gewünscht und ersehnt war, gelang jedoch trotz der Projekte zum literarischen Verstehen und zur Polyvalenz-Konvention nicht. Dem ist nicht nachzutrauern, da selbstbestimmte Forschungsinteressen im Rahmen eines größeren Theorierahmens - wie ich ihn in der ETL sehe - über fremdbestimmte Forschungen zu stellen sind. So hatte ich die Freiheit, im Anschluss an meine Arbeiten zur Linguistischen Poetik auf dem Grenzgebiet von Linguistik und Literaturwissenschaft weiter zu arbeiten. Den Gegenstandsbereich bildete das deutsche Verssystem, für das ich eine Grammatik auf der Basis phonologischer und metrischer Regeln entwickelte. Der Wert dieser Arbeit für die ETL besteht einerseits im expliziten Nachweis der Analyse von Textstrukturen im Rahmen der ELW, andererseits konnte mit den metrischen Gliederungsstrukturen eine Anbingung an biologische und kognitive Aspekte der Theorie erreicht werden. Mit den Themen Literatur und Recht, Jugendmedienschutz und populäre Lesestoffe kamen für mich weitere Arbeitsbereiche hinzu, die aus meiner Sicht für die ETL nicht nur theoretisch und empirisch - im Sinne von Anwedungsbereichen der Theorie - wichtig sind, sondern darüber hinaus auch deren praktische Relevanz unterstreichen. Diese Arbeiten verliefen unter dem stets wohlwollend kritischen Blick von SJS recht unkontrovers. Anders sah es jedoch mit meinen literaturtheoretischen Überlegungen aus, die Unzulänglichkeiten, Widersprüche und Probleme thematisierten, die ich in bestimmten Bereichen des Grundrisses sah.

Aufgrund meiner Beschäftigung mit dem Theorienkonzept von Sneed hatte ich Schwierigkeiten, in der literarischen ÄsthetikKonvention (ÄLKO) und der literarischen Polyvalenzkonvention (PLKO) Gesetze der ETL zu sehen. Denn Gesetze bestehen nach Sneed aus einem explizit angegebenen Zusammenhang t-theoretischer und nicht-t-theoretischer Funktionen. Zu klären bleibt also: Sind die beiden Konventionen nun t-theoretische Funktionen oder Gesetze? Wie hängen sie zusammen? Gibt es überhaupt einen Zusammenhang? Bilden die beiden Konventionen wirklich eine Theoretisierung oder handelt es sich bei ihnen eigentlich um Spezialisierungen aus einer vorgelagerten Theorie kommunikativen Handelns, womit der theoretische Status der ETL zu überdenken wäre? Gleichzeitig wurden ÄLKO und PLKO (in individualpsychologischer Hinsicht) als empirische Hypothesen eingeführt und in wieder einem anderem Kontext (in makrosoziologischer Perspektive) als Abgrenzungskriterien zu anderen Sozialsystemen verwendet. Zudem konnten ÄLKO und PLKO durch ihre ästhetischen Implikationen nur schwer über einen normativen Charakter hinwegtäuschen.

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