Achim Barsch
Die nicht immer lineare Entwicklung vom Schüler zum Kollegen
Abschnitt 5

   
             
 
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Wieder anders gelagerte Probleme mit den beiden literarischen Konventionen ergaben sich für mich im Rahmen der Handlungsrolle der Literatur-Verarbeitung in der unspezifischen Redeweise des Befolgens von Konventionen. Das Befolgen von Konventionen und das Reden über Konventionen liegen auf unterschiedlichen Ebenen, auch wenn es so aussieht, als ob das eine dem anderen vorausgeht, was allerdings nicht zutrifft, da ja die Befolgung von Konventionen u.a. durch sprachliche Vermittlung, also durch Reden über sie, erlernt wird. Die Lösung dieser Problematik lag für mich in der Einführung des Konzepts von Handlungsebenen, das es erlaubt, innerhalb des Literatursystems literarisches und meta-literarisches Handeln voneinander zu trennen. Weiterhin gestattet das Konzept der Handlungsebene mit seiner Fokussierung auf Literaturbegriffe die Verknüpfung mit der theoretischen Modellierung literarischer Teil- und Subsysteme, sowie die Verbindung von Literatur als Sozialsystem und Literatur als Symbolsystem auf der Basis der Unterscheidung aktiver und passiver Systeme von P. Hejl.

Ich kann hier ganz offen sagen, dass diese Überlegungen bei SJS nicht immer auf Gegenliebe stießen. Von seinem literaturtheoretischen Standpunkt aus, der sich vor allem in seiner Arbeit zur Entstehung des modernen Literatursystems im 18. Jahrhundert auch in systemtheoretischer Hinsicht weiterentwickelt hatte, mussten diese Bedenken und Ergänzungsvorschläge als zweitrangig erscheinen, da er nicht theoretische Detailfragen sondern - umfassender - Literatur im Kontext sozialer Systeme im Blick hatte. Dennoch lernten wir trotz unterschiedlicher Standpunkte viel voneinander, zumal die wissenschaftliche Neugierde und die Integrationsfähigkeit von SJS weit ausgeprägt sind. Als Kollege und als Mitstreiter der ETL bin ich ihm dankbar für die Unterstützung, die er mir gewährte, für fast 25 Jahre Gesprächskultur und für die vielen, unvergessenen unterhaltsamen Momente, ohne die auch eine wissenschaftliche Zusammenarbeit nur dürftig bleibt.

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