Norbert Groeben

Die Veränderung/en des Wissenschaftskonzepts bei S.J. Schmidt

 

Als Erstes habe ich von S.J. Schmidt (SJS) die »Texttheorie« gelesen (Schmidt 1973) - und ihn deshalb zunächst für einen - interessanten - Linguisten gehalten. Interessant deshalb, weil er mit dem ›Text‹ den hochkomplexen Gegenstand behandelte, den die psychologische Forschung (von der Psycholinguistik bis zur kognitiven Lerntheorie) in der damaligen Zeit noch nicht erreicht hatte. Außerdem konzipierte er die Texttheorie als eine »Linguistik der sprachlichen Kommunikation«, d.h. programmatisch als Teil der Pragmalinguistik, was meinen eigenen theoretischen Postulaten sehr entgegenkam. Denn ich hatte schon während meines (Germanistik- und Psychologie-)Studiums, ausgehend vom Konzept der ›Konkretisation‹ bei Ingarden, die Überzeugung entwickelt, dass die Bedeutungs- bzw. Sinndimension eines (literarischen) Textes nur über ein lebendes Bewusstsein erschließbar ist; daraus folgte für mich, gerade auch auf Grund des Vergleichs von hermeneutischer und empirischer Methodologie, die Notwendigkeit, die konkreten bedeutungskonstituierenden Rezeptionsprozesse zu erforschen (mein erstes empirisches Beispiel habe ich 1970 publiziert, die programmatische Grundlegung dieser Position ist in meiner »Literaturpsychologie« von 1972 enthalten, differenziert ausgearbeitet in der »Rezeptionsforschung als empirische Literaturwissenschaft«: 1977; 2. Aufl. 1980). Diese meine Position wurde gestützt vor allem von der Konzeption der »Pragmalinguistik als Modell der Performanzkompetenz« (Schmidt 1973, 37ff.), in der die Kompetenz- und Performanzebene der Chomsky’schen Transformationsgrammatik zusammengeführt wurden. Das implizierte nach meinem Verständnis eine Empirisierungsnotwendigkeit für die Linguistik, wie ich sie genauso für die - noch »hermeneutischere« - Literaturwissenschaft sah.

Erst später wurde mir klar, dass SJS mit der »Texttheorie« bereits eine Art zweites wissenschaftliches Leben begonnen hatte, da er zunächst von der Philosophie, wenn auch mit besonderem Gewicht auf sprach- und kunstphilosophischen Fragen, ausgegangen war (vgl. Schmidt 1965; 1968; 1969; 1971). Allerdings fand ich auch in diesen Arbeiten die schon erwähnte Pragmatisierung, die für mich die Basis für eine Empirisierung darstellte; z.B. in Bezug auf das Ästhetische die Forderung, hinausgehend über die Werk-Konzentriertheit der hermeneutischen (Literatur-)Ästhetik die Rezeptionsseite zu berücksichtigen (wie es dem ursprünglichen Wortsinn von »Ästhetik« ja auch besser entspricht) - in den Worten von SJS selbst: »Beide Faktoren des Wahrnehmungs- und Erkenntnisprozesses, Objekt- und Rezipientenseite, müssen eingehend berücksichtigt werden.« (Schmidt 1971, 9) Aus meiner Sicht war SJS also auf dem Weg zur Empirisierung, wenn auch zunächst in erster Linie der Linguistik. Doch schnell musste und konnte ich - mit Freude - feststellen, dass er vom linguistischen Rahmen aus (vgl. z.B. 1972) sehr wohl auch und gerade die Empirisierung der Literaturwissenschaft ins Auge fasste. Seine »Literaturwissenschaft als argumentierende Wissenschaft« (1975) stellte dabei die ›szientifischen‹ Ansatzpunkte zusammen: objekttheoretisch mit Bezug auf die bisher vorliegenden Empirisierungsprogramme unterschiedlicher disziplinärer Provenienz (z.B. Linguistik: Ihwe; Semiotik: Wienold; Psychologie: Groeben) und metatheoretisch unter Rückgriff auf den Kritischen Rationalismus, die Analytische Wissenschaftstheorie und generell die Argumentationstheorie.

Innerhalb dieses vergleichbaren konzeptuellen Rahmens war es dann natürlich kein Wunder, dass sich unsere Wege kreuzten - persönlich wie konzeptuell. Die folgenden Jahre habe ich in Bezug auf die gemeinsame Zielidee der Empirisierung der (zumindest in Deutschland traditionellen und z.T. unflexiblen) hermeneutischen Literaturwissenschaft als eine Art Arbeitsteilung empfunden. Während ich diese Empirisierung primär von der methodologischen Dimension der disziplinären Matrix her betrieben habe (1977/1980), hat SJS den umfassenden theoretischen Entwurf einer Empirischen Literaturwissenschaft (1980; 1982) gewagt. Interessanterweise haben wir dabei unabhängig voneinander den subjektiv empfundenen Paradigmawechsel unter Rückgriff auf die strukturalistische Theorienauffassung (vgl. z.B. Stegmüller 1973; 1979) zu rekonstruieren und propagieren versucht. Es war dies, wenn man so will, eine ›konstruktivistische‹ Verwendung des Paradigma-Konzepts (sensu Kuhn 1967), das in der wissenschaftshistorischen Forschung ja zunächst lediglich als deskriptives Konzept zur nachträglichen Rekonstruktion von - revolutionären - Theorienveränderungen verstanden wurde. Der quasi normative Einsatz des Paradigma-Konzepts zur ›Revolutionierung‹ der (Literatur-)Wissenschaft war also eine gemeinsame Basis, die uns auch mit vergleichbaren Reaktionen, d.h. Schwierigkeiten in der Scientific Community konfrontierte.

Die konstruktivistisch-normative Verwendung des Revolutionsmodells des Theorienwandels stellte gleichzeitig aber auch den Ausgangspunkt für wichtige Unterschiede vor allem in der wissenschaftstheoretischen Konzeptualisierung der Empirisierung (von Literaturwissenschaft) dar. Das betraf zunächst einmal die Relation zwischen »altem« (hermeneutischem) und »neuem« (empirischem) Paradigma: Hier legte SJS den Akzent auf die Ersetzungsrelation, was sich vor allem in Bezug auf die zentrale hermeneutische Prozessteilmenge der Literaturwissenschaft, die Interpretation, manifestierte. Für SJS verschob sich der Status des Interpretierens in der Empirischen Literaturwissenschaft von einem wissenschaftlichen Teilprozess zum Gegenstand der wissenschaftlichen Forschung, nämlich als Teil der literarischen Verarbeitungsprozesse (vgl. z.B. Schmidt 1983). Ich selbst habe - etwas konzilianter - eher versucht, die »Aufhebung« der hermeneutischen Literaturwissenschaft in dem neuen Paradigma einer empirischen Wissenschaftsstruktur zu rekonstruieren, was z.B. in Bezug auf die Interpretation bedeutet, dass Interpretationen als singuläre Deutungshypothesen aufgefasst werden (können), die möglichst präzise theoretisch zu explizieren und in der Folge dann auch empirisch zu validieren sind (anhand von Rezeptionsdaten: vgl. Groeben 1983). Dieser Akzentunterschied deutete für mich an, dass SJS im Zweifelsfall die radikalere Konsequenz (in diesem Fall der völligen Theorienersetzung) bevorzugte, was ich allerdings zunächst auf situationale Faktoren zurückgeführt habe, wie etwa auf die Tatsache, dass SJS einen Lehrstuhl für Literaturwissenschaft inne hatte und von daher (sehr viel mehr als ich) tagtäglich mit der angesprochenen suboptimalen Flexibilität hermeneutischer Literaturwissenschaft(ler/innen) konfrontiert war.

Deshalb traf es mich relativ unvorbereitet, dass er diese »Radikalität« längst weiter ausgebaut hatte, nämlich bis hin zu erkenntnistheoretischen Fragestellungen, was in der Position des Radikalen Konstruktivismus mündete (vgl. z.B. Schmidt 1987). Die radikal-konstruktivistischen Thesen der Autopoiese, informationellen Geschlossenheit etc., die auch für die Wissenschaftskonzeption ein Abrücken von klassischen szientifischen Zielkriterien des Empirismus in Richtung auf die oberste Zielidee der Viabilität (d.h. Nützlichkeit für die Lebenserhaltung qua Autopoiese) implizierten, hatten für mich von Anfang an den Makel eines absoluten Relativismus. Und obwohl ich nun wahrlich in meinem Leben nicht so viel Philosophie gelernt und getrieben hatte wie SJS, war ich mir von meinen philosophischen Grundkenntnissen her ziemlich sicher, dass jeder absolute Relativismus unvermeidbar in Selbstwiderspruch und Selbstaufhebung enden muss. Folglich verstand ich auch überhaupt nicht, wie SJS bei seinem philosophischen Hintergrund dieser Position »aufsitzen« konnte. Ich habe es mir zunächst so zurecht gelegt, dass die Begeisterung für den Konstruktivismus (die ich ja im Prinzip vergleichbar verspürte und verspüre) bei ihm besonders vehemente Ausmaße angenommen hatte - und ich konnte mir eigentlich nicht vorstellen, dass er die aus meiner Sicht überzogene Radikalität nicht bald erkennen und revidieren würde. Das war allerdings eine (subjektive) Hypothese, die - Entschuldigung, dass ich schon wieder auf einer nicht-radikalkonstruktivistischen Sichtweise beharre - eindeutig falsifiziert wurde. Denn im Gegenteil, die Siegener NIKOL-Gruppe arbeitete nicht nur den Radikalen Konstruktivismus mit Engagement und höchster Arbeitsintensität weiter aus, sondern postulierte auch, dass die Empirische Literaturwissenschaft metatheoretisch konsequent nur auf der Basis des Radikalen Konstruktivismus zu betreiben sei. Abgesehen davon, dass ich immer die Position vertreten habe, man solle die metatheoretische Rekonstruktion einer Wissenschaftsstruktur so weit wie möglich erkenntnistheoretisch neutral halten, verwischte sich für mich mit dieser NIKOL-Position auch die Grenze zwischen wissenschaftlicher (metatheoretischer) These und Glaubensbekenntnis; oder wissenschaftspsychologisch gesprochen: die Grenze zwischen Charismatik und missionarischem Eifer. Ganz praktisch hielt ich diese propagierte Identifizierung von Empirischer Literaturwissenschaft und Radikalem Konstruktivismus nicht nur für unnötig, sondern für außerordentlich misslich: Denn alle Mitglieder der Scientific Community, die nicht bereit waren, die (erkenntnistheoretische) Position des Radikalen Konstruktivismus zu übernehmen, waren unter der Voraussetzung dieser Identifizierung für die Empirisierung der Literaturwissenschaft »verloren«. Da ich nun aber subjektiv die Empirisierung der Literaturwissenschaft als eine der wichtigsten (potenziellen) Entwicklungen der Wissenschaftsstruktur(en) im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts ansah, fühlte ich mich in der Zwangslage, etwas gegen diese Identifizierung zu tun. Was lag näher, als meine Basisüberzeugung auszuarbeiten, dass der Radikale Konstruktivismus als eine Spielart des absoluten Relativismus in Selbstwidersprüche und Selbstaufhebung führt? (so geschehen in Nüse, Groeben, Freitag & Schreier 1991).

In der Folgezeit schien es allerdings so, als ob SJS - in eher untypischer Weise - mit dem Radikalen Konstruktivismus eine (erkenntnis-)theoretische Basis gefunden hatte, an der er nichts zu ändern gedachte. Kritiken wie die genannte (vgl. auch Groeben 1989) führten nicht zu einer Annäherung, sondern höchstens zum Konsens über den Dissens (so z.B. Schmidt & Groeben 1988). Ohne Bewegung allerdings kam der vitale Intellekt von SJS nicht aus, doch war es keine metatheoretische, sondern eine objekttheoretische Veränderung: hin zur Einbeziehung der (neuen) Medien, so dass er eine (radikal-)konstruktivistische Medienwissenschaft postulierte und explizierte (vgl. z.B. Merten, Schmidt & Weischenberg 1994). Unglücklicherweise halte ich diese Bewegung für eine objektiv notwendige, weil die Literaturwissenschaft m.E. nur als Teil einer übergreifenden Medien- bzw. Kulturwissenschaft - unabhängig von der Empirizität dieser Disziplin - überleben wird (vgl. z.B. Groeben 1994). Insofern wurde durch diese objekttheoretische Erweiterung mein Leiden an der radikal-konstruktivistischen Grundposition (von SJS) nicht vermindert. Zwischenzeitlich hat er sich jedoch - sogar nach eigenem Bekunden - durchaus auch auf der metatheoretischen Dimension bewegt (vgl. z.B. Schmidt 1994; 1998). Dabei hat er die »grundsätzlich paradoxale Situation konstruktivistischen Denkens« (Schmidt 1994, 17) eingeräumt, die u.a. darin besteht, dass für bestimmte Thesen wie etwa die der informationellen Geschlossenheit kognitiver Systeme im radikalen-konstruktivistischen Diskurs ein »realistischer Status unterstellt« (l.c.) wird, so dass bei autologischen, d.h. Selbstanwendung implizierenden Begriffen (wie Selbstbeobachtung, -erkenntnis, Bewusstsein etc.) unauflösbare Paradoxien auftreten (o.c., 18). Er hat diese Kritikperspektive (unter Bezug auf Mitterer, Janich, Bardmann) als prinzipiell berechtigt anerkannt und seine Konstruktivismus-Konzeption verändert in Richtung auf einen Sozialen Konstruktivismus (z.B. im Sinne von Gergen 1985). Ich möchte hier jetzt nicht diskutieren, ob damit in der Tat alle Gefahren von Selbstwidersprüchlichkeit und -aufhebung des konstruktivistischen Diskurses überwunden sind; zu dieser Diskussion wird - hoffentlich - in den nächsten Jahren noch genügend Gelegenheit sein.

Wichtiger ist mir hier, dass mit dem Sozialen Konstruktivismus auch eine grundsätzliche objekt- und metatheoretische Position verbunden ist, deren Entwicklung bei SJS im Prinzip schon mit dem ›Grundriß der Empirischen Literaturwissenschaft‹ (1989; 1982) begonnen hat: nämlich die systemtheoretische Rekonstruktion literatur- und medienwissenschaftlicher Fragestellungen (vgl. Schmidt 1989; 1993). Es ist dies eine Perspektive, die mir persönlich in der Rezeption des Grundrisses zunächst entgangen war. Weil ich selbst - objekttheoretisch wie methodologisch - von der Handlungstheorie als Modell individuellen Handelns her kam, habe ich das zentrale Konzept der »Handlungsrollen« im Grundriss (Produktion, Rezeption, Vermittlung und Verarbeitung) zunächst nur im Sinne eines methodologischen Individualismus verstanden - und dabei den zweiten Wortstamm ›-rollen‹ eher verdrängt. SJS aber hat gerade diese Perspektive der sozialen Strukturphänomene (zu denen die genannten Handlungsrollen auch gehören) weiter ausgearbeitet. Wenn mir auch wegen der Verquickung von radikal- bzw. sozial-konstruktivistischem Diskurs und Systemtheorie der systemtheoretische Ansatz für eigene Arbeiten noch nicht optimal geläufig ist bzw. geeignet erscheint, so habe ich doch auch und gerade durch die diesbezüglichen Arbeiten von SJS die Einsicht gewonnen, dass eine umfassende empirische Kultur- und Sozialwissenschaft sich nicht auf einen methodologischen Individualismus zurückziehen darf, sondern berechtigte Ansprüche des methodologischen Kollektivismus bzw. Holismus mit erfüllen muss (vgl. Groeben 1999a; b). Das heißt, es geht auch hier darum, unsinnige Dichotomisierungen zu überwinden, also integrative metatheoretische Positionen zu entwickeln, die die Verbindung von z.B. Monismus und Dualismus (vgl. Groeben 1986) ebenso wie methodologischem Individualismus und Holismus ermöglichen, denn eine umfassende Kulturwissenschaft wird sowohl individuelle Handlungen als auch soziale Strukturen und deren historische Entwicklung(en) gleichermaßen und in Relation zueinander beschreiben und erklären müssen. Ob dieses Ziel dann mit systemtheoretisch-konstruktivistischen Konzepten wie der Co-Evolution oder z.B. der Handlungstheorie näher stehenden Konstrukten wie der Ko-Konstruktion (vgl. Valsiner 1994) besser gelingen kann bzw. wird, ist ebenfalls wieder eine Frage für zukünftige Diskussionen.

Insgesamt macht die stichwortartige Skizze zu den Veränderungen der Wissenschaftskonzeption von SJS hoffentlich in ungefähr deutlich, warum mir SJS immer als der Mann mit mehreren, teils unterschiedlichen wissenschaftlichen Leben erschienen ist (ganz abgesehen von seiner literarischen Produktions-Seite). Der Wandel der disziplinären Matrix scheint mir für sein wissenschaftliches Leben konstitutiv zu sein, wobei ich den Begriff der ›disziplinären Matrix‹ hier wähle, weil er meta- und objekttheoretische Umbrüche abzudecken vermag. Im Sinne einer so verstandenen disziplinären Matrix hat SJS im Laufe seines wissenschaftlichen Lebens - zumindest - die Domänen der Philosophie, Linguistik, Empirischen Literaturwissenschaft, des Radikalen Konstruktivismus, der Systemtheorie, Medienwissenschaft und des Sozialen Konstruktivismus vertreten und in der wissenschaftlichen Diskussion der letzten dreißig Jahre mit geprägt. Dabei verhehle ich nicht, dass mich manchmal in Bezug auf diese Wandlungsfähigkeit auch ein Gefühl der Unheimlichkeit beschleicht. Nicht primär deshalb, weil ich selbst für mich und mein wissenschaftliches Lebenswerk andere Zielprioritäten setzen würde. Sondern weil er ersichtlich für jedes dieser vielen wissenschaftlichen Leben versucht, ein eigenes, approximativ vollständiges Lebenswerk zu schaffen, z.B. operationalisierbar in einer Schriftenliste, die anderen eben z.T. für ein einziges wissenschaftliches Lebenswerk ausreichen würde (bzw. bisweilen muss). Ich sehe darin schon (s.o.) die Begeisterungsfähigkeit, mit der die jeweils als konstruktiv-weiterführend angesehene Position ausgearbeitet und verbreitet werden soll. Insbesondere in Phasen der (alters- oder krankheitsbedingten) Kräftebegrenzung allerdings frage ich mich, ob darin nicht auch ein Aspekt des Getriebenseins liegt, des Anschreibens gegen das unausweichliche Ende. Aber vielleicht sagt das auch mehr über mich als über SJS aus - eine Möglichkeit, die man als Psychologe immer mit in Betracht ziehen sollte. Ein Aspekt dieser vielen individuellen wissenschaftlichen Revolutionen allerdings ist sicherlich SJS als Eigenschaft zuzuschreiben: nämlich die unglaubliche intellektuelle Vitalität, die darin liegt, sich immer wieder in eine neue disziplinäre Matrix einzuarbeiten, ja deren Ausarbeitung an prominenter Stelle mitzubestimmen. Während andere ab dem 50. Lebensjahr einen Widerwillen gegen die Aufnahme immer wieder neuer Theorieentwicklungen (»Modeströmungen«) entwickeln, scheint der Geist von SJS immer und unerschöpfbar neue Informationen aufnehmen, umsetzen und produzieren zu können. Irgendwo muss er einen intellektuellen Jungbrunnen in der Hinterhand haben; vielleicht erzählt er mir irgendwann einmal, wie man sich einen solchen Brunnen baut ...


Literatur

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