Norbert Groeben
Die Veränderung/en des Wissenschaftskonzepts bei S.J. Schmidt
Abschnitt 3

   
             
 
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Insgesamt macht die stichwortartige Skizze zu den Veränderungen der Wissenschaftskonzeption von SJS hoffentlich in ungefähr deutlich, warum mir SJS immer als der Mann mit mehreren, teils unterschiedlichen wissenschaftlichen Leben erschienen ist (ganz abgesehen von seiner literarischen Produktions-Seite). Der Wandel der disziplinären Matrix scheint mir für sein wissenschaftliches Leben konstitutiv zu sein, wobei ich den Begriff der ›disziplinären Matrix‹ hier wähle, weil er meta- und objekttheoretische Umbrüche abzudecken vermag. Im Sinne einer so verstandenen disziplinären Matrix hat SJS im Laufe seines wissenschaftlichen Lebens - zumindest - die Domänen der Philosophie, Linguistik, Empirischen Literaturwissenschaft, des Radikalen Konstruktivismus, der Systemtheorie, Medienwissenschaft und des Sozialen Konstruktivismus vertreten und in der wissenschaftlichen Diskussion der letzten dreißig Jahre mit geprägt. Dabei verhehle ich nicht, dass mich manchmal in Bezug auf diese Wandlungsfähigkeit auch ein Gefühl der Unheimlichkeit beschleicht. Nicht primär deshalb, weil ich selbst für mich und mein wissenschaftliches Lebenswerk andere Zielprioritäten setzen würde. Sondern weil er ersichtlich für jedes dieser vielen wissenschaftlichen Leben versucht, ein eigenes, approximativ vollständiges Lebenswerk zu schaffen, z.B. operationalisierbar in einer Schriftenliste, die anderen eben z.T. für ein einziges wissenschaftliches Lebenswerk ausreichen würde (bzw. bisweilen muss). Ich sehe darin schon (s.o.) die Begeisterungsfähigkeit, mit der die jeweils als konstruktiv-weiterführend angesehene Position ausgearbeitet und verbreitet werden soll. Insbesondere in Phasen der (alters- oder krankheitsbedingten) Kräftebegrenzung allerdings frage ich mich, ob darin nicht auch ein Aspekt des Getriebenseins liegt, des Anschreibens gegen das unausweichliche Ende. Aber vielleicht sagt das auch mehr über mich als über SJS aus - eine Möglichkeit, die man als Psychologe immer mit in Betracht ziehen sollte. Ein Aspekt dieser vielen individuellen wissenschaftlichen Revolutionen allerdings ist sicherlich SJS als Eigenschaft zuzuschreiben: nämlich die unglaubliche intellektuelle Vitalität, die darin liegt, sich immer wieder in eine neue disziplinäre Matrix einzuarbeiten, ja deren Ausarbeitung an prominenter Stelle mitzubestimmen. Während andere ab dem 50. Lebensjahr einen Widerwillen gegen die Aufnahme immer wieder neuer Theorieentwicklungen (»Modeströmungen«) entwickeln, scheint der Geist von SJS immer und unerschöpfbar neue Informationen aufnehmen, umsetzen und produzieren zu können. Irgendwo muss er einen intellektuellen Jungbrunnen in der Hinterhand haben; vielleicht erzählt er mir irgendwann einmal, wie man sich einen solchen Brunnen baut ...

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