Reinhold Viehoff

   
             
 
    Essays    
   

Einer der hier versammelten Essays hat den wunderschönen »verwirrerten« Titel »Erna Taege-Röhnisch, Ernst Barlach, der Dom zu Güstrow, Bill Clinton, eine Singer Nähmaschine in Cairns (QLD) und Olaf Henkel«. Mit einer solchen Aufzählung offensichtlich völlig unzusammenhängenden gegenwärtigen Weltwissens wird ja auf eine rhetorisch geradezu terroristische Manier von jedem Leser dieses Titels die Frage erzwungen: Und was haben die miteinander zu tun? - Es wird durch einen solchen Titel also eine beinahe animalische Neugier geweckt, die zum Lesen (ver)führen muß. Das ist uralte, jahrhundertfach erprobte Strategie und geht, sicher nicht zufällig, in diesem Essay einher mit einem sehr persönlichen Bekenntnis zur Tradition und zum Traditionsbewußtsein, zur Traditionspflege.

Seitdem es Rhetorik gibt, gibt es auch das Plagiat, ebenfalls eine uralte kommunikative Strategie, auch wenn nicht immer erwünscht und nur selten, vor allem in unserer Wissenschafts-Kultur, geduldet. Ein Plagiat ist im Grunde eine aufgedeckte, eine entlarvte Strategie, die verborgen bleiben sollte. Ein offiziell zugegebenes Plagiat ist demnach etwas, was denjenigen, der es schon vorab zugibt, nicht mehr ruiniert.

Also, sei's drum und ohne Umschweife: »Gumbrecht Kindt Kostelanetz Scheffer Schmatz Seidelhofer Thomsen Wirrer Zurstiege« - Und was haben die miteinander und mit S.J. Schmidt zu tun? Eine zufriedenstellende Antwort darauf, eine, die die Neugier befriedigt, kann zum Glück nur die Lektüre der Essays selbst geben.

Völlig randständige, eher zufällige Bedingungen können allerdings zum Schluß dieser Vorbemerkung aufgezählt werden, die für das neugierige Lesen eine gewisse Orientierung anbieten. Die Autoren der Beiträge sind bekannt, von ihnen ist bekannt:

  1. Sie haben alle Siegfried J. Schmidt einmal gekannt: einige gestern, viele heute, manche auch morgen.
  2. Sie heißen alle mit Vornamen »Siegfried«, allerdings jeder auf seine Art.
  3. Sie haben Texte geschrieben, die - jeder für sich - vollständig »verstehbar« sind, aber vielleicht auch nicht. Gegebenenfalls müsste man SJS fragen.
  4. Sie sind eingeladen worden und haben auf unterschiedliche Einladungen hin für das Festschriftprojekt unterschiedliche essayistische Texte eingereicht, der hier unverändert - mit allen Unterschieden - wiedergegeben werden.

[MedienKultur? ... aber das ist vielleicht doch ein anderes Thema.]

 

top