Walther Kindt

Transklassische Literaturwissenschaft:
Eines langen Tages Reise

   
             
 
 Essays  
   

1. Prolog: Ein Wintermärchen

Es waren einmal vier Nikoläuse. Die kamen in einer Stadt am Wald zusammen und wollten die Welt verändern. »So geht das nicht weiter«, sagten sie zu den Kindern im Lande Liwi, deren liebste Beschäftigung es war zu imaginieren. In ihrem Nikolaussack hatten sie drei Geschenke mitgebracht: eine Theorie der lieben Kinder, eine Beispielsammlung für fehlerhaftes Imaginieren und den Rat, statt selbst zu imaginieren anderen beim Imaginieren zuzuschauen. Aber die Kinder von Liwi wollten nicht auf die Nikolausbotschaft hören; die Geschenke erschienen ihnen als unhandlich, und ihre Lieblingsbeschäftigung mochten sie sich erst recht nicht ausreden lassen. So vergingen viele Jahre. Und wenn die Kinder aus Liwi nicht klüger geworden sind, dann imaginieren sie auch heute noch, in alter Manier.

Natürlich gaben die vier Nikoläuse ihr Vorhaben nicht auf. Aber sie waren sich nicht mehr einig darüber, auf welche Weise die Welt in Liwi am besten zu illuminieren sei. So ging jeder wieder seinen eigenen Weg. Der Eine trat gleich aus dem Nikolausverband aus und meinte, man müsse das Anliegen der Kinder aus Liwi ernster nehmen. Der Zweite wollte über die Ökologie des Schenkens nachdenken. Der Dritte gründete eine größere Nikolausfirma. Der Vierte schließlich fand es vorerst wichtiger, sich um die bedürftigen Kinder im Nachbarland zu kümmern.

Und wie endet das Märchen? Gemach, liebe Leser! Eine neue Wirklichkeit im Lande Liwi zu konstruieren braucht Zeit und die richtigen Geschenke. Packt also selbst mit an, dann kann es gelingen!

nach oben

 
Abschnitt 1

Abschnitt 2

Abschnitt 3

Druckversion