Gerhard Johann Lischka

Die Rahmen des Bewußtseins

   
             
 
    Essays    
   

Unser globales Medientheater zwingt jeden Teilnehmer, zum Darsteller seiner Rolle im Drama des postmodernen Lebens zu werden. Die Maske ist ins Gesicht gefallen, das Gesicht wiederum in die Medien als Bild oder Image. So fallen wir haltlos in uns hinein als uns selbst. Lassen wir uns jedoch nicht vom Medientaumel um uns selbst drehen und treten über uns hinweg aus uns heraus. Indem wir dem Anderen in seiner Gegenwärtigkeit beim Spielen einer Rolle unsere Aufmerksamkeit schenken, können wir eine Grenze ziehen, die uns gedanklich verbindet und uns vor den endlosen Begegnungen mit uns selbst im Gemeinschaftlichen befreit.

Die Basis dazu sind unsere Handlungen im alltäglichen Leben in Szenen, die uns in Form von »Szenen über Szenen« Erfahrungen zu Einsichten komprimieren: Spielerische Präsenz in der körperlich-geistigen (unlösbaren) Verbindung. Die Metaebene dieses Spiels kann dabei mehr dem Wort verpflichtet sein (Schauspiel) oder der direkten Körpersprache im selbst gestalteten Environment ( Performance). Diese Szenen benötigen nur einen Rahmen.

Was hier als Rahmen bezeichnet wird, ist in einem weiten Sinn von einer Abgrenzung vom Üblichen zu verstehen. Er kann ein Podest sein, eine Bühne, eine Kordel oder ein entsprechender Hinweis. Rahmen bedeutet die Errichtung einer Aufmerksamkeitszone, das Herausfiltern von Ordnung aus dem Chaos, die Abgrenzung zur Umgebung, die Fokussierung auf einen bestimmten Punkt usw. Rahmen versetzen das Gerahmte in einen Ausnahmezustand und heben damit die Kommunikation auf die Ebene des Als-ob oder der Kommunikation über Kommunikation, der Hinterfragung des Sinns der konventionellen Kommunikationsformen. Eine Handlung ist gerahmt ein paradigmatischer Akt, den wir als symbolische Tat verstehen. Hier treffen sich die verschiedenen Bezüge, die künstlerische, religiöse, politische oder juristische, selbst kriegerische Inhalte haben. Auch wenn uns hier der künstlerische oder kulturelle Aspekt primär interessiert, müssen wir doch konzedieren, dass diese von allen Seiten des »Dramas des Lebens« gespiesen werden, im Kunst-Rahmen ideal gebündelt erscheinen. Der einfache Rahmen gewährleistet Einsicht durch erhöhte Eliminierung von Redundanz und Konzentration auf Wesentliches von Wertungen.

Das Theater, respektive das in ihm aufgeführte Drama, folgt einem Text, der von Dichtern verfaßt, sprachkünstlerisch Mono- und Dialoge beinhaltet, begleitet von Regieanweisungen. Die Verlebendigung des Textes durch darstellende Künstler ist das Wesentliche des Stücks. Die Schauspieler/innen verkörpern den Text, sie steigern sich in die entsprechende Rolle und personifizieren Liebe, Hass, Freud und Leid usw. als uns infiszierende Charakteristika des Lebens. Als versteckter Sinn der Kommunikation definieren wir an und mit diesen Rollen unsere Befindlichkeit, die Stimmung der Zeit, die Atmosphäre des Zusammenseins durch die Brechung der Direktheit und momentane Aufhebung des eigenen Schicksals am Beispiel anderer Schicksale und Gelüste, um uns mental auf andere Gedanken zu bringen. Welche Wirkung auch ein Schauspiel, Vortrag, eine Lesung, das Musizieren auf die Zuschauer hat, es überträgt sich ein Gefühls- und Bewußtseinszustand, der zu einer gemeinschaftlichen Gestimmtheit führt, die in direkter Aufmerksamkeit zustandekommt.

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Abschnitt 3

Abschnitt 4

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