Gerhard Johann Lischka
Die Rahmen des Bewußtseins
Abschnitt 4

   
             
 
    Essays    
   

Unser »reales« Leben ist immer ein »Drama« oder kompartimentiert gesehnen eine »Szene«. Wir sind Akteure unseres Schicksals und unserer Verfügungskraft. Und können wir die Rahmen unseres Bewußtseins auch als Rahmen des Rahmens, als zwei Rahmen definieren, so wissen wir nie ganz genau ob wir uns vor, zwischen oder hinter ihnen befinden, denn sie überlagern und verschieben sich ständig. Bestimmt sehen wir das Bild im Bilde, das Bild als Bild, den Spiegel, der uns uns entgegenwirft und den Monitor, der uns immateriell klont. Bestimmt vergessen wir viele Situationen, Namen, Begriffe, Gesichter und Gerüche, Tatsachen und Vorstellungen. Bestimmt kennen wir viele der in uns schlummernden Gedanken und Gefühle nicht. Doch sie alle werden in den Rahmen virulent und verschmelzen miteinander zu momentanen Schnittstellen, die unser jeweiliger Zustand sind, der uns als Zone des Übergangs mehr oder weniger bewußt ist. Verwechslung, Vertauschung, Kompensation, Übertreibung und vieles mehr bilden das Zoom, welches unsere Schnittstelle ist, welches wir als Schnittstelle sind.

Mit dem zweiten Rahmen der Massenmedien, denen sich nun auch das Internet integrieren läßt, verändert sich der direkte kommunikative Austausch zum Management. Ich bringe mich nicht mehr selbst ins Gespräch, sondern ich werde ins Gespräch gebracht. Vermittelt von Schaltstellen, die mich genauso kontrollieren wie die anderen Massenmedien kontrolliert werden. Wenn hier auch jede/r ein Sender ist, so ist der Empfänger selbst als Dialogpartner eben nicht nur ein einzelner, dem vielleicht die Botschaft gilt, sondern es sind auch alle anderen, die sich einschalten. Womit sich wiederum die Masse bildet, die den massenkommunikativen Gesetzen der Nivellierung gehorchen muß: vorweg der Nicht-Anwesenheit, der Zerstreuung der Aufmerksamkeit zugunsten der Klischees der Wahrnehmung, die in diesem Fall eine Reaktion auf einen Reiz ist, fast ausschließlich ein gelangweiltes Konstatieren und Verschieben gleichartiger Oberflächen.

Nehmen wir an, daß unser »normaler« Zustand derjenige von Produktion/Präsentation und Rezeption ist, so ist er der übliche Modus unseres Alltagslebens. Er wickelt sich nach dem »Programm« der Gesellschaft, auch der in ihr mit ihr verbundenen Gemeinschaften und Gruppen ab, in denen wir leben, zu denen wir uns zählen oder in die wir uns einfügen. Produktion und Rezeption verhalten sich wie Angebot und Nachfrage, sie sind die im Prozeß der Materialisierung und Immaterialisierung vorgenommene Ästhetisierung oder Mediatisierung, die uns als Medium der Gesellschaft gestaltet und innerhalb der wir die von uns gewählten Medien gestalten.

Der Input wird zum Output und der Output zum Input, die Schnittstelle ist immer ein momentan arretiertes Dazwischen, das wiederum zur Schnittstelle für andere Schnittstellen wird. Und da es keinen Sinn macht, nach dem Ursprung der Schnittstelle zu fragen, weil sie als das Dazwischen das »Stirb und Werde« ist, so folgt sie doch der Viabilität als derjenigen Passform, die das Programm ist und es ermöglicht. Produktion und Rezeption sind die Basis-Dichotomie - gleich der Konzentration und Dezentrierung, der Energie und deren Verbrauch - des Programms, nach dem sich die biologischen, sozialen und psychischen Prozesse richten, die nicht weiter hinterfragt werden oder hinterfragbar sind, weil sie sowohl die Gesellschaftsmaschine als auch deren Energie sind.

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