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Sibylle Moser
feel, listen, look, speak. think
S.J. Schmidts intermediales Embodiment
Abschnitt 3

   
             
 
    Essays    
   

Kognitives Embodiment: Denken, Fühlen, Handeln

Abbildung 3: Feel!

Abb. 3: »Feel!«

Traditionell erscheint Denken bzw. Kognition als einsame Angelegenheit des kartesianischen Subjekts. Eingeschlossen in seiner mentalen Maschine bildet es die Wirklichkeit in Form von symbolischen Repräsentationen ab, eine Annahme, die den Kognitivismus bis heute ›informiert‹ (vgl. Varela/Thompson/Rosch 1991, 37ff.). Im Gegensatz zu diesem dualistischen Modell, das Subjekt und Welt einander gegenüberstellt, situiert die Embodied Cognition Kognition in und durch Umwelten. Kognition wird immer hier und jetzt verkörpert und integriert komplexe Empfindungsprozesse, welche die Effektivität von Bezugnahmen bestimmen: »Feel!« Alle möglichen Operationen eines Systems gewinnen ihren Sinn durch ihre Einbettung in Gefühlswelten. Was die Welt für uns bedeutet erschließt sich daraus wie sie sich anfühlt, d.h. auf welche Weise sie für uns bedeutsam wird (vgl. Kurthen 1994) . Dies impliziert eine weit reichende ontologische Konsequenz: Qualia erscheinen nun nicht als Gegensatz zur Materie sondern als ihre Voraussetzung. Der Biologe Brian Goodwin notiert zu der konstitutiven Integration von Körper und Geist: »... ›matter‹ has sentience and ›mind‹ exists only as an aspect of ›matter‹. What resolves these apparent antinomies is process, in which present mind gives rise to past matter as spent experience.« (Goodwin 1999, 234)

TheoretikerInnen der Embodied Cognition begreifen damit Kognition im Kern als einen qualitativ motivierten Prozess, der eine spezifische Relevanz für das kognizierende System hat. Ihre Kernfrage lautet: Was setzt und hält die Kognition in Bewegung? Und ihre Antwort laut: ›Empfindsamkeit‹. Wir bewegen uns, weil wir fühlen, und wir fühlen, weil wir uns bewegen und in der Welt agieren. Aus medientheoretischer Perspektive umfasst jeder Prozess kognitiver Verkörperung (vgl. Moser 2005, 4f.)

  1. eine Modalität, d.h. einen selektiven Wahrnehmungsmechanismus, der beispielsweise visuelle Musterbildungen hervorbringt
  2. einen Modus, ein operationales Know-how wie die Technik des Zeichnens
  3. Medialität, eine konstitutive Beziehung wechselseitiger Bezugnahme, die soziale Strukturbildungen wie die Konstitution des Kunstsystems ermöglicht

Diese drei Dimensionen werden simultan erfahren: Man nimmt etwa Siegfried J. Schmidts poetisches Medienangebot wahr, liest oder sieht es hier und jetzt, und weist dem Gedicht im Rahmen kultureller Kontexte ein Kommunikat zu.

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Einleitung

Abschnitt 1

Abschnitt 2

Abschnitt 3

Abschnitt 4

Abschnitt 5

Abschnitt 6

Abschnitt 7

Literatur

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