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Sibylle Moser
feel, listen, look, speak. think
S.J. Schmidts intermediales Embodiment
Abschnitt 5

   
             
 
    Essays    
   

Medien der Kommunikation: Verkörperung von Bezugnahmen

Abbildung 5: Listen!

Abb. 5: »Listen!«

Semiotische Materialitäten resultieren also aus der wechselseitigen Intransparenz kognitiver Wirklichkeiten. Neben seinen ikonischen Dimensionen weist unser Beispiel auch einen interessanten Index auf, das »du«, das in jedem Imperativ impliziert ist: »Listen!« Die Adressierung, hier einer HörerIn, zeigt an, dass das Sprechen, Schreiben oder Zeichnen einen sozialen Aktionsraum konstituiert, der durch einschlägige Formen der Kontaktaufnahme definiert wird. Die Konstitution symbolischer Ordnungen ist durch die Tatsache der Differenz von Alter und Ego motiviert, eine Differenz, die auf der Basis der doppelten Kontingenz kognitiver Systeme einen Raum möglicher Unterscheidungen, das Medium ihrer Sozialität, konstituiert: »Als ›Medium‹ einer Einheit bezeichne ich die sie einschließende Umgebung von Unterscheidungen ...« (Maturana 2000, 169) Zeichensetzungen sind durch soziale Bezugnahmen motivierte Unterscheidungen von und Entscheidungen für sozial erfolgreiche Ausdrucksformen. Neben den Materialitäten von Zeichen, die als Kommunikationsinstrumente wirksam werden, umfasst der »Kompaktbegriff Medium« nach Schmidt technische Dispositive, Institutionen und Medienangebote (vgl. Schmidt 2000, 94). Wo kommt das Embodiment von Sprache im selbstorganisierten Wirkungszusammenhang dieser vier Dimensionen ins Spiel?

Aus der Sicht der skizzierten korporalen Medientheorie verwirklicht sich jedes Medium der Sprache in den vorgestellten Dimensionen kognitiven/kommunikativen Embodiments und erscheint in Form einschlägiger semiotischer Materialitäten:

  1. Modalität/Ikonizität: Ikons sind durch die Wahrnehmung motivierte Zeichenformen und machen Sinnesmodalitäten reflexiv.
  2. Modus/Indexikalität: Indices verweisen auf die Einbettung sprachlicher Handlungsweisen wie dem Sprechen und Schreiben in ein Raum-Zeitgefüge.
  3. Medialität/Symbolizität: Symbole realisieren soziale Bezugnahmen und werden durch konventionelle Rhetoriken der Darstellung bzw. des Ausdrucks materialisiert.

Diese medientheoretische Interpretation des Begriffs des Embodiments vermittelt den Handlungs- mit dem Zeichenaspekt von Kommunikation, eine Unterscheidung, die »eine Beobachtungs- und keine Seinsalternative markiert« (Schmidt 2003, 74). Der Begriff des Embodiments integriert in diesem Sinn die semiotische Dimension von Wahrnehmungsprozessen mit der leiblichen Situiertheit von kommunikativem Wissen und koppelt die Konstitution von Ausdrucksweisen an die soziale Strukturbildung zurück. Er verdeutlicht, dass die Medialisierung von Sprache Prozesse der kognitiven, technologischen und soziokulturellen Verkörperung umfasst.

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Einleitung

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Abschnitt 2

Abschnitt 3

Abschnitt 4

Abschnitt 5

Abschnitt 6

Abschnitt 7

Literatur

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