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Sibylle Moser
feel, listen, look, speak. think
S.J. Schmidts intermediales Embodiment
Abschnitt 7

   
             
 
    Essays    
   

Dimensionen des Embodiments in der konstruktivistischen Medienkulturtheorie

Was leistet also der Begriff des Embodiments für die konzeptuelle Weiterentwicklung der konstruktivistischen Medienkulturtheorie? Embodiment akzentuiert die phänomenologische Beobachtung der Leiblichkeit von AktantInnen und verknüpft sie mit der Materialität von Ausdrucksgestalten. Die konkrete Verkörperung von Welterfahrung zeigt sich in der perzeptuellen und konzeptuellen Integration sprachlicher Bedeutungsbildung. Während Leiblichkeit unsere Wahrnehmungen mit begrifflicher Abstraktion integriert, weist die Materialität der Zeichen auf die Geschichte sozialer Lebensformen, die entscheiden, in welcher Weise Erfahrungen der Wirklichkeit jeweils ausgedrückt werden können.

Embodiment reflektiert somit auf die konstitutive Intermedialität der Sprache, ein Zusammenspiel der Sinne, das durch die Schrift als blinden Fleck gerne aus der kognitions- und kommunikationswissenschaftlichen Beobachtung verdrängt wird. In der konkreten Poesie wird diese Integration von sinnlicher Wahrnehmung und begrifflicher Abstraktion reflexiv. Siegfried J. Schmidts poetische Medienreflexion demonstriert, dass folgende Dimensionen bei der Verkörperung von Sprache am Werk sind (Abb. 7):

Abbildung 7: Intermediale Integration von Wahrnehmung und Sprache

Abb. 7: Intermediale Integration von Wahrnehmung und Sprache

Perzeptuelle Integration:

  • Sensumotorik: Bewegung ist die Voraussetzung für jede Gegenstandskonstitution bzw. für die Wahrnehmung von Medienangeboten.
  • Crossmodalität : Bewegungsmuster wie etwa die Rhythmisierung ermöglichen die Integration verschiedener Sinneswahrnehmungen und führen zu Konstitution von Raum und Zeit.
  • Simultanität: Ästhetische Erfahrungen treten in der Gegenwart des erfahrenden Systems gleichzeitig als Empfindung, Wahrnehmung und Konzeptualisierung auf.

Konzeptuelle Integration:

  • Transsemiotik: Als Zeichen, die auf die Wahrnehmung rekurrieren, treten Ikons gleichzeitig mit Indices und Symbolen auf. Indices indizieren die leibliche Situiertheit von Wahrnehmung und Kommunikation, Symbole ihre kulturelle Konventionalität.
  • Intertextualität: Als Teile von Kulturprogrammen regeln Ästhetiken das Verhältnis von Körper, Kommunikation und Medium. Sprachliche Medienangebote sind immer durch Ausdruckstraditionen und Gestaltungskonventionen definiert.

Ob in konkreter Poesie, in Songs oder in Texten der Wissenschaft: Sprachliche Medienangebote basieren auf der sinnlichen Erfahrung des Sozialen. Die ästhetische Transformation des Körpers in die Kommunikation verweist auf den konkreten Lebensprozess als Voraussetzung von Sinn und wird im medialen Vollzug des Hier und Jetzt erfahren. Siegfried J. Schmidts »Geschichten & Diskurse« lesen sich damit nicht zuletzt wie ein Kommentar zu seiner poetischen Lebenspraxis: »Übergänge sind der Modus der Emergenz von Wirklichkeit, die uns immer in der Gegenwart erscheint ...« (Schmidt 2003, 87).

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Einleitung

Abschnitt 1

Abschnitt 2

Abschnitt 3

Abschnitt 4

Abschnitt 5

Abschnitt 6

Abschnitt 7

Literatur

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