Christoph Jacke / Martin Zierold

»The Grass Was Always Greener« –
Popkulturwissenschaft und Erinnerungsforschung: eine einleitende Konfrontation.

   
             
 
   Home    
   

»Zeitverkürzende Mittel. Zeitbeschleunigende Mittel, zeitvernichtende Mittel. Als ob das rasende Fortschreiten der Zeit irgendwas Bedauernswertes wäre. Als ob das rasende Fortschreiten der Zeit irgendwie aufzuhalten wäre. Gegenwart als Alles. Gegenwart als Alles und als Nichts. (Die Gegenwart dauert nur den Bruchteil einer Sekunde.) Pop sagt: Sei froh, dass du nicht im Zeitalter der Schnurkeramik aufwachsen musstest, sei froh, dass du nicht im schier endlos währenden Zeitalter der Glockenbecherkultur aufwachsen musstest.« (Neumeister 2001: 22)

Intro[1]

Früher war alles besser. Das Gras war grüner, das Fernsehprogramm anspruchsvoller und zugleich unterhaltsamer, die Jugend besser erzogen usw. Klagen dieser Art sind wohlbekannt. Es gehört zu den Vorzügen des Jubilars, dass er – obschon ihm derartige Aussagen dem Alter nach mittlerweile zustehen würden – in seinen Beschreibungen die Vergangenheit nie nostalgisch verklärt sieht, sondern ebenso scharf analysiert wie die Gegenwart.

Wir wollen uns heute einer erinnerungskulturtheoretischen Klage annehmen und versuchen, diese zu entkräften: Die in Feuilletons wie Kulturwissenschaften prominente Sorge, früher sei zwar vielleicht nicht alles besser gewesen, aber die Vergangenheit als solche sei früher einfach viel mehr wert gewesen. Anders gesagt: Unsere Gegenwart sei vergangenheitsvergessen, habe ihr Gedächtnis verloren und sei völlig erinnerungslos.

Auch diese Sorge ist alt, uralt. Die amerikanische Kommunikationswissenschaftlerin Marita Sturken stellte 1997 fest: »Throughout history, the most prominent characterization of memory has been the idea that it is in crisis.« (1997: 17) Doch das hält heutige Wissenschaftler nicht davon ab, die bekannten Horrorszenarien in immer grelleren Farben zu malen. Die auf diesem Feld kaum zu übertreffende Aleida Assmann etwa mahnte jüngst in Anspielung auf Walter Benjamin, mit den modernen Medien, die Artefakte ihrer Materialität berauben, »verschwindet [.] weit mehr als nur eine geheimnisvolle Aura; mit ihr verschwinden Realität, Geschichte und Gedächtnis« (2004: 58).

top

 
Einleitung

Abschnitt 1

Abschnitt 2

Abschnitt 3

Abschnitt 4

Abschnitt 5

Literatur

Druckversion