Christoph Jacke / Martin Zierold

»The Grass Was Always Greener« –
Popkulturwissenschaft und Erinnerungsforschung: eine einleitende Konfrontation.

   
             
 
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Der gedächtnislose Pop?

Der Prototyp solcher gedächtnislosen Phänomene wird zumeist in der Popkultur gesehen. Das verdeutlicht das eingangs vorgetragene Zitat, und in diesem Sinn resümierte beispielsweise auch Dirk Peitz kürzlich eine Tagung zur Zukunft der Popmusik in der Süddeutschen Zeitung: Die Popmusik »versinkt gerade im schwarzen Loch ihrer eigenen Bestimmung: in der ewigen, zukunfts- und vergangenheitslosen Gegenwart«. (2005: 13)

Es ist unbestritten, dass soziale Formen von Gedächtnis und Erinnerung heute anders ablaufen als zu Zeiten vor den Massenmedien. Und ebenso deutlich ist, dass ›Pop‹ eine sehr eigene Art hat, Vergangenheit zu thematisieren, in der Gegenwart produktiv zu nutzen usw., die sich von elaborierten geschichtswissenschaftlichen Diskursen deutlich unterscheiden – und offenbar auch von den Vorstellungen mancher Theoretiker eines ›kulturellen Gedächtnisses‹, wie gesellschaftliches Gedächtnis und Erinnerung aussehen sollte. Anstatt die Differenz zwischen einem (obendrein notorisch vagen und wenig expliziten) normativen Konzept mit beobachteten gesellschaftlichen Prozessen als Krise jedes Gedächtnisses, aller Erinnerung zu beschreiben, wäre es, so unsere These, sehr viel produktiver, mit abstrakten, aber expliziten Begriffen von Gedächtnis und Erinnerung zu beobachten, welche unterschiedlichen Formen von Erinnerung es auch heute beispielsweise im Pop gibt, welche Veränderungen sich beschreiben lassen usw. Wir definieren dabei Popkultur als den kommerzialisierten, gesellschaftlichen Bereich, der Themen industriell produziert, medial (im Sinne von massenmedial) vermittelt und durch zahlenmäßig überwiegende Bevölkerungsgruppen mit Vergnügen genutzt und weiterverarbeitet wird.[2]

Wir wollen im folgenden zunächst ein mögliches Konzept für derart abstrakte Begriffe vorstellen, das an die von Siegfried J. Schmidt unter anderem in Geschichten & Diskurse entwickelte Theorie anknüpft und so zugleich die Schmidtsche Terminologie im Hinblick auf ihre Anschlussfähigkeit für den Gedächtnisdiskurs prüfen kann.

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Einleitung

Abschnitt 1

Abschnitt 2

Abschnitt 3

Abschnitt 4

Abschnitt 5

Literatur

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