Christoph Jacke / Martin Zierold

»The Grass Was Always Greener« –
Popkulturwissenschaft und Erinnerungsforschung: eine einleitende Konfrontation.

   
             
 
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Medien – Kultur – Wissenschaft

Betrachtet man die mediengeschichtliche Entwicklung, so fallen ganz ähnliche Kritikpunkte pessimistischer Prägung wie im Falle der Beobachtung von Pop auf. Auch hier – insbesondere beim Eintritt neuer Medientechnologien in die Mediengeschichte[11] – wird den Medien sowohl dauerhaftes Vergessen oder zumindest dessen Präsupposition vorgeworfen, etwa wenn der schon erwähnte Groys in Bezug auf die Marktmechanismen der Medien schreibt:

»Der globale Medienmarkt hat kein historisches Gedächtnis, das es erlauben könnte, die Vergangenheit und die Gegenwart miteinander zu vergleichen und auf diese Weise festzustellen, was an der Gegenwart wirklich neu und genuin gegenwärtig ist. Das alte Angebot wird auf dem Medienmarkt ständig durch ein neues Angebot abgelöst.« (Groys 2003: 181)

Und ebenso vergleichbar mit Pop sind die auch den Medien vorgeworfenen ewigen Wiederverwendungen und Recyclings, die nichts Neues mehr erschaffen können. Auch aus dieser Beurteilungs-Krux kommt man theoretisch nur heraus, wenn man sich zunächst von Bewertungen weitgehend befreit und Medien als wechselwirkenden Zusammenhang zwischen Kommunikationsinstrumenten, sozialsystemischen Institutionen, Medientechnologien und Medienangeboten versteht. Dann wird zudem klar, inwiefern Medien popkulturelle Programmanwendungen manifestieren und auf Kommunikation stellen und damit immer wieder Erinnerungsanlässe schaffen.[12] Nur über Medien und vor allem Medientechnologien lassen sich die Praktiken des Sekundären – wie es die Kulturwissenschaftler um Gisela Fehrmann in ihrem Sammelband »Originalkopie« von 2004 bezeichnet haben – ausüben. Statt sozusagen theorie-proletisch auf der ersten Ebene stehen zu bleiben und bewertungsfundamentalistisch in Dichotomien wie high/low, gut/schlecht oder auch originär/kopiert zu verfallen, müssen sich auch die medienkulturtheoretischen Positionen weiter ausdifferenzieren. Oder um es mit Fehrmann et al zu sagen:

»Als ›Praktiken des Sekundären‹ sollen hier jene kulturellen und medialen Verfahren verstanden werden, die gezielt auf den Status des Vorgefundenen, des Nicht-Authentischen oder des Abgeleiteten ihres Gegenstandes bzw. Materials setzen – oder aber derartige Zuschreibungen bewusst problematisieren. Es ist diese dezidierte Aneignung, die Praktiken des Sekundären von Produktionsweisen unterscheidet, die zwar notwendig auch auf Traditionsbestände zurückgreifen, dies jedoch – häufig unter den Vorzeichen von Originalität und Authentizität – unterschlagen, verdrängen oder zumindest nicht explizit ausweisen.« (Fehrmann et al 2004: 7-8)

Diese ausdifferenzierten Beobachtungen lassen sich nur mit höchst abstrakten und dementsprechend voraussetzungsvollen Begriffen von Medien, Pop, Kultur und Erinnerung erreichen. Hierzu wollen wir einen ersten Anstoß geben.

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Einleitung

Abschnitt 1

Abschnitt 2

Abschnitt 3

Abschnitt 4

Abschnitt 5

Literatur

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