Friedrich W. Block

Poesie oder Vom Schaffen zwischen Sein und Nichtsein

   
             
 
   Home    
   

Mit Zuordnungen und Rubrizierungen setzt man sich immer in die Nesseln: Hier Poesie, woanders Essays, Konzepte oder Begegnungen - und es könnte alles auch ganz anders sein. Sollte das etwa Poesie sein, was bildende Künstler sich ausgedacht und hergestellt haben? Sind Essays keine Poesie? Hat nicht jede Poesie ein Konzept - zumal solche, die in Begegnung mit einem Genius stehen, der den Begriff einer »konzeptionellen Dichtung« geprägt hat? Beraten wir uns beim Gastmahl, und dann »ist alles ganz einfach«:

»Du weißt doch, daß 'poiésis' eigentlich alles Schaffen bezeichnet, und daß das Schaffen etwas gar Vielfältiges ist. Denn allem demjenigen, was die Ursache dafür ist, daß irgend etwas aus dem Nichtsein in das Sein übergeht, legen wir eine schaffende Tätigkeit bei, so daß eigentlich auch die Werke sämtlicher Künste Dichtungen und ihre Meister Dichter heißen müßten.«

Zwischen dem Nochnicht und dem Nichtmehr - der poetische Möglichkeitssinn sensibilisiert für die Zwischenzustände, Zäsuren, Schnittstellen. Der Balken im Auge und die Zähmung des Blicks. Poesie wäre das Medium der Formulierung ohne weiteren Zweck, simulationsbereit, Gesellschaft in der Gesellschaft, Gedachtes im Denken, Wahrgenommenes im Wahrnehmen erscheinen zu lassen. So auch die Erkenntnis und die Konzepte, die Poesie immer auch ist, die sie zugleich, in einem Moment der Stille, auszusetzen vermag.

In diesem Sinne beziehen sich die poetischen Beiträge nicht nur auf die Person Siegfried J. Schmidt als Künstler, Wissenschaftler, Vermittler. Sie verweisen auf ihn auch als Personifikation der Poesie, in der das Experiment zur Erfahrung wird und die Erfahrung ein dauerndes Experiment ist.

 

top